Was ist Design Thinking? - Wenn Methode auf Kreativität trifft!

Von Maurice Mivekannin
Am 1. Juli 2021 aktualisiert, ursprünglich im Dezember 2020 veröffentlicht
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Design Thinking ermöglicht es, mit Methodik und Kreativität, innovative Lösungen für komplexe Probleme zu finden, und Produkte, Services und Business Modelle schnell zu veröffentlichen. Während des gesamten kreativen Prozesses steht der Kunde im Mittelpunkt.

In diesem Artikel erfahren Sie, worum es bei dieser agilen Methode genau geht und wie es Ihnen hilft, sich von der Konkurrenz abzuheben.

Was ist Design Thinking?

Definition

Design Thinking ist eine strukturierte Methode zur kreativen Problemlösung. Es ist ein strategischer, kognitiver und praktischer Prozess, der es ermöglicht, Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Design Thinking bietet einen einheitlichen Rahmen für Innovation und stellt Menschen in den Mittelpunkt. Es führt zu Verbesserung von Produkten, Dienstleistungen und der Effizienz interner Prozesse.

Ursprung der Methode

Die Methode Design Thinking wurde von der Arbeitsweise von Designern und Architekten inspiriert. Diese orientieren sich in ihrer Arbeitsweise stets an dem Nutzer und der Machbarkeit.

Der Nobelpreisträger Herbert Simon skizzierte 1969 in seinem Text über Designmethoden, “The Sciences of the Artificial”, eines der ersten formalen Modelle des Design Thinking Prozesses.

Die Methode wurde 1991 von dem Professor an der Stanford University Larry Leifer, dem Design Thinking Coach David Kelley und dem Informatiker Terry Winograd weiterentwickelt und verbreitet.

Seit 2007 wird Design Thinking an der School of Design Thinking von dem Hasso Plattner Institut die Erforschung und Umsetzung von Design Thinking gefördert.

Einsatzgebiete

Design Thinking ist universell anwendbar. Seine flexible, kreative und gleichzeitig methodische Herangehensweise macht Design Thinking zu einem Lösungsansatz für unterschiedlichste Problematiken. Es ist für physische, als auch digitale Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle geeignet.

Wie geht Design Thinking?

Mit Design Thinking soll ein Umfeld geschaffen werden, das Innovationen fördert. Dies ist dank 3 Erfolgsfaktoren möglich:

  1. Multidisziplinäres Team
  2. Variable Räume
  3. Iterativer Prozess
design-thinking-erfolgsfaktoren© Designer in Action

Design Thinking: Multidisziplinäres Team

Um eine innovationsfördernde Umgebung zu schaffen, ist es wichtig, ein multidisziplinäres Team zusammenzubringen. Ein solches Team ist heterogen aufgebaut und besteht in der Regel aus nicht mehr als 5-6 Personen. Sie wird als multidisziplinär bezeichnet, weil sie das Entstehen innovativer Ideen ermöglicht, die mit Personen aus demselben Fachgebiet nicht möglich gewesen wären.

Design Thinking: Variable Arbeitsumgebung

Flexible Arbeitsumgebungen sind notwendig, um die Entstehung von Innovationen im Design Thinking Ansatz zu fördern. Solche Lösungsräume sollte z. B. über Whiteboards, Präsentationstafeln, Materialien und Möbel verfügen, die bewegt werden können, um Co-Creation und Prototyping zu erleichtern.

Design Thinking: Iterativer Prozess

Das Modell von Herbert Simon hatte großen Einfluss auf die Gestaltung der heute verwendeten Design-Thinking-Prozessmodelle.

Es gibt viele Varianten des Design Thinking-Prozesses. Sie können über drei bis sieben Phasen verfügen. Alle basieren jedoch auf den von Simon in 1969 definierten Prinzipien.

Hier sind sechs Phasen, die den Design Thinking Prozess gestalten.

design-thinking-prozess© Stadtmarketing Austria

1. Verstehen

Verstehen ist die erste Phase des Planungsprozesses. Während dieser Phase setzen sich das multidisziplinäre Team beim Lernen selbst mit dem Thema auseinander. Sie unterhalten sich mit Spezialisten und betreiben sogenannte Design Thinking Research.

Ziel ist es, durch diese Erfahrungen ein fundiertes Wissen zu schaffen. Sie nutzen gewonnene Einsichten als Grundlage für den Prozess.

Versuchen Sie anschließend, sich in die Kunden einzufühlen, indem Sie sie beobachten, ihre Persönlichkeit erkunden und herausfinden, was für sie am wichtigsten ist. Kommen Sie mit ihnen ins Gespräch, um zu verstehen, was sie denken, fühlen, fordern, tun und sagen. Das schafft ein tieferes Verständnis für das gesamte Design Thinking Team. Stellen Sie Hypothesen auf, wo die Hauptprobleme liegen könnten.

2. Beobachten

In dieser Wahrnehmungsphase verwandeln sich die Teammitglieder in scharfsinnige Individuen. Sie beobachten und unterhalten sich mit Einzelpersonen über das, was sie tun, stellen Nachforschungen an und reflektieren. Die Verständnis- und Wahrnehmungsphase des Design Thinking ermöglichen es den Teams, ein Gefühl der Empathie aufzubauen.

Man muss ein tieferes Verständnis für die Bedürfnisse und Prioritäten der Kunden erlangen. An dieser Stelle kommen individuelle Perspektiven ins Spiel. Kunden können das Problem aus Ihrer eigenen Sicht ausdrücken und erklären, welche Lösungen sie bereits dafür improvisiert haben. Hier ist es wichtig zu erkennen, welche Hypothesen aus der ersten Phase bestätigt werden und welche Ideen man loslassen muss.

3. Definieren

Die dritte Phase geht aus den beiden vorherigen Phasen hervor. Beim Definieren des Standpunktes liegt der Fokus darauf, die Bedürfnisse der Zielgruppe zu berücksichtigen und Wissen zu schaffen. Der Ausdruck "Auf welche Weise können wir...." wird häufig verwendet, um eine Perspektive zu definieren.

Definieren Sie zuerst die Erkenntnisse aus den ersten Phasen. Dann geht es darum, ein Zielpublikum zu definieren. Wer sind die Personen, die von den Problemen betroffen sind und was sind ihre Anforderungen? Dafür kann eine ausführliche Persona erstellt werden, also ein Abbild des idealen Kunden. Man sollte diese Persona in den folgenden Schritten stets im Sinn haben.

4. Ideen finden

Die Ideenfindung ist ein grundlegender Teil des Design Thinking Prozesses. Die Gedankenhaufen müssen nun konzeptualisiert werden. Dabei sollte keineswegs über Ideen geurteilt werden. In dieser Phase ist keine Idee zu unplausibel. Alle Ideen werden erstmal gesammelt und keine abgelehnt.

Bei der Suche nach kreativen Ideen geht es um Vorstellungskraft und Spaß. Es werden sinnlose und wagemutige Ideen hervorkommen und Teammitglieder verwandeln sich womöglich zu Vordenkern und Visionären.

Daraufhin werden die Ideen geordnet, diskutiert und priorisiert. In dieser zweiten Ideenphase sollte bedacht werden, dass Ideen wirtschaftlich, realisierbar und lösungsorientiert sein müssen. Lösungen sollten nicht verkompliziert werden. Denn es ist einfacher, eine spezifische Idee in einen Prototyp zu verwandeln, als eine komplexe Lösung.

5. Einen Prototypen entwickeln

Im nächsten Schritt wird aus der priorisierten Idee ein Prototyp entwickelt.

Das Prototyping stellt einen kurzen Teil des Planungsverfahrens dar. Ein Prototyp kann eine Zeichnung, eine Demo oder ein Pappkarton sein. Er hat das Ziel, die Gedanken schnellstmöglich in die Realität umzusetzen. Dabei sollte es Ihnen bewusst sein, dass es klüger ist, früh und häufig an einem Prototypen scheitern, als der Realität erst beim Endprodukt ins Auge sehen zu müssen.

Beim Prototyping sollten folgende Prinzipien beachtet werden:

  • Machbarkeit: Ein Prototyp sollte von Ihrem Team entwickelt werden können;
  • Schnelligkeit: Es sollte möglichst wenig Zeit und Aufwand in die Entwicklung investiert werden;
  • Einfachheit: Ein Prototyp ist niemals perfekt. Er ermöglicht lediglich, eine Idee zu testen.

Ein Prototyp sollte dem Nutzer die Möglichkeit verschaffen, sich mit Ihrer idee auseinanderzusetzen und ihm ermöglichen, ein Feedback zu geben.

6. Testen

Das Testen ist Teil von iterativen Verfahrens, bei dem die Teammitglieder Kritik erfahren. Das Ziel ist es, zu erkennen, was funktioniert und was nicht. Das bedeutet, dass Sie Ihr Modell im Hinblick auf die Kritik ändern müssen.

Testen garantiert, dass das Endprodukt für Ihre Kunden funktioniert. Es sollte im Vorhinein definiert werden, wann der Prototyp als erfolgreich gilt.

Es kann als ein positives Zeichen gewertet werden, wenn Kunden Fragen stellen und sich aktiv mit dem Prototyp auseinandersetzen. Dies kann Ihnen wichtige und neue Einblicke in den Kunden geben. Andererseits müssen Sie in der Lage sein, sich einzugestehen, wenn ein Prototyp gescheitert ist.

Dieser Prozess wird solange in iterativen Schleifen wiederholt, bis der Prototyp bei einer ausreichend großen Anzahl von Nutzern positives Feedback generiert.

Feedback kann üblicherweise mithilfe eines Fragebogen gesammelt werden. Der Prototyp sollte von mindestens fünf unterschiedlichen Kunden getestet werden.

Wenn der Prototyp erfolgreich ist, kann die Lösung umgesetzt werden. Bei der Produktentwicklung ist es sinnvoll, auf die Scrum-Methode zu setzen und in Design Sprints zu arbeiten.

Fazit

Design Thinking ist eine Methode und eine Einstellung. Es bietet einen Rahmen, um konkrete Lösungen zu finden und stellt dabei den Nutzer stets in den Mittelpunkt. Gleichzeitig erfordert Design Thinking eine kreative Herangehensweise.

Sie müssen das reale Problem verstehen, Lösungen stets hinterfragen und den Nutzer während des ganzen Prozess in den Mittelpunkt stellen. Außerdem müssen Sie dazu bereit sein, Ideen zu verwerfen und von vorne zu beginnen.

Und, hat es Design Thinking schon in Ihren Arbeitsalltag geschafft? Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns in den Kommentaren!

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