Das Scrum Inkrement: einen Schritt vom Endprodukt entfernt

von Virginia Fabris, am 29.03.21
Das Scrum Inkrement: einen Schritt vom Endprodukt entfernt

Die Scrum Methode ist ein Framework für das agile Projektmanagement und die agile Projektentwicklung. Diese Methodik zeichnet sich durch die Gliederung in Sprints aus, innerhalb derer es Mikro-Kategorien gibt, die jeweils ein bestimmtes Ziel haben.

In diesem Artikel werden wir erklären, was das Scrum-Inkrement ist und welche Rolle es innerhalb des Scrum-Prozesses spielt.

Was ist ein Inkrement in Scrum?

Definition

Das Inkrement wird oft auch Produktinkrement genannt. Es handelt sich um ein Produkt, das am Ende eines Sprints in der Scrum Projektmanagement-Methode entstanden ist.

Dieses Produkt soll nach der „Definition of Done“ erstellt werden und soll deren Merkmale entsprechen. Konkret geht es um ein potenziell ausliefbares Produkt (a potentially releasable product) und ist das dritte der drei Artefakte in einem Scrum Projekt (sieh unten).

Das aus dem Latein stammende Wort „Inkrement“ bedeutet „Zuwachs“ bzw. „vergrößern“. Diese Bedeutungen beziehen sich auf die Tatsache, dass sich das Endprodukt in jedem Sprint steigernd mit den einzelnen Inkrementen vergrößert.

Das Inkrement weist also auf eines der Ziele der Scrum Methode hin: es sollte im Idealfall nach jedem Sprint ein solches Produkt entwickelt werden. In der Praxis kann es aber auch passieren, dass es nicht ein Inkrement pro Sprint bearbeitet wird, sondern dass es häufig Releases durch mehrere Sprints realisiert werden. Nach dem aktuellen Scrum Guide könnte man auch rein theoretisch mehr als eine Auslieferung pro Sprint vornehmen.

Scrum-Artefakte

Scrum-Artefakte sind die zentralen Komponenten des Scrum Frameworks. Sie leisten einen zentralen Beitrag zum Ablauf der Scrum-Methodik, da sie einen ständigen Austausch von Informationen im Scrum-Prozess sicherstellen.

Die Scrum-Artefakte sind:

  1. Sprint Backlog → Liste von Aufgaben, die vom Entwicklungsteam über einen bestimmten Zeitraum erledigt werden müssen;
  2. Product Backlog (auch User Story oder Product Backlog Items genannt): Bericht der Funktionen, die das Produkt beinhalten sollte. User Stories werden normalerweise durch Story Points beschrieben und priorisiert;
  3. Scrum Inkrement: potenziell ausliefbares Produkt, das der Elemente des Product Backlogs entsprechen sollte, die während des letzten abgeschlossenen Sprints fertiggestellt wurden.

    Laut der Scrum Guide ist es ein konkretes Etappenziel auf dem Weg zum Produkt-Ziel, wobei jedes Inkrement additiv zu allen vorherigen Inkrementen ist und gründlich verifiziert wird, um sicherzustellen, dass alle Inkremente zusammenwirken. Um einen tatsächlichen Wert darzustellen, muss das Inkrement nutzbar sein.

Alle Artefakte sollten vom Scrum Team und dem Product Owner immer im Blick behalten werden.

Was ist das Ziel des Inkrements? Wofür ist es vorteilhaft?

Idealerweise sollte am Ende jedes Sprints ein Inkrement realisiert werden. Die einzelnen Inkremente, die in jedem Sprint erarbeitet werden, bauen aufeinander auf und bilden zusammen das Endprodukt.

Jedes Inkrement ist das Ergebnis der Erfahrungen, die in jedem Sprint gesammelt werden. Durch dieses immer größer werdenden Wissen werden nämlich immer neue und verbesserte Inkremente entwickelt. Die Inkremente erfahren in jedem Sprint Änderungen und Verbesserungen.

Das Inkrement umfasst also viele kleinere Inkremente, die im Rahmen der vergangenen Sprints geschaffen wurden. In anderen Worten besitzt es die Merkmale des letztlich geschaffenen Product Backlogs. Daraus ergibt sich, dass man durch die Inkremente Verbesserungsmöglichkeiten für den kommenden Sprint ziehen kann.

Ziel des Inkrements ist aber nicht, ausgeliefert zu werden, da es immer nur potenziell auszuliefern ist. Das Inkrement befindet sich ständig im letzten Release-Zustand.

Das ist wichtig weil, im Fall eines Abbruchs eines Projekts bzw. im Fall unerwarteter Hindernisse, kann das Inkrement eventuell als ziemlich fertiges Produkt präsentiert werden. Somit kann es den Kunden zur Verfügung gestellt werden und entsprechend durch das Marketing und den Vertrieb vermarktet und vertrieben werden.

Dieses Prozedere ist von besonderer Wichtigkeit, weil auf diese Weise die Arbeit, die schon gemacht wurde, nicht verloren geht. In der Tat kann man auch somit mit dem Teilprodukt einen besonderen Gewinn bekommen.

Wer ist für das Inkrement zuständig?

Für die Fertigstellung des Inkrements ist das Scrum Team verantwortlich. Nach seiner Fertigstellung, muss es aber an den Product Owner übergangen werden.

Der Product Owner hat, unter anderem, die Aufgabe, den Erfolg des Produkts zu garantieren. Aus diesem Grund muss er auch entscheiden, ob das Inkrement für die release bereit ist, oder ob es nochmal von den Teammitgliedern umgearbeitet werden muss.

Der Product Owner muss letztendlich das Inkrement überprüfen und mit seiner Veröffentlichung zustimmen bzw. sie ablehnen.

☝ Das Inkrement sollte schon im Rahmen des Sprints vom Product Owner überprüft werden.

Welche Rolle spielt das Inkrement im Scrum Prozess?

Ein Produkt wird im Rahmen eines Projekts als Ganzes geplant, es wird trotzdem in jedem Sprint in Teilen realisiert.

Das Inkrement, am Ende jedes Sprints, entspricht einer immer näher kommenden Version des Endprodukts. In jedem Sprint werden ins Inkrement neue Funktionen eingefügt und der Umfang des einzelnen Inkrements wird verbessert.

Das letzte Inkrement muss der „Definition of Done“ des letzten Sprints entsprechen und muss auch in einen Zustand umgearbeitet werden, die potenziell ausliefbar ist. Das heißt, dass das letzte Inkrement in der Lage sein muss, grundsätzlich von den Stakeholdern gleich verwendbar zu sein, unabhängig davon, ob der Product Owner es für geeignet hält.